Umsatz beflügelt die Kreativität

Firmenentwicklung - Die Auftragszahlen bei Venturetec Mechatronics steigen

Kein Jahr ist seit der Übernahme der insolventen Firma KGM durch Kurt Dollhofer und Martina Mösche vergangen. Nun können die neuen Eigentümer von einem Aufwärtstrend in dem Unternehmen berichten, das heute Venturetec Mechatronics heißt.

Deutlich steigende Auftragszahlen, Investitionen und die Pläne für einen langfristig geplanten Umzug an den Stadtrand in den Gewerbepark sind Kennzeichen dieser Entwicklung.«Unsere Auftragsbücher sind voll», sagt Dollhofer. Nach ehemals «tiefroten Zahlen» sei das Unternehmen mittlerweile bei einer «schwarzen Null» angelangt. An einigen Maschinen werde im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Kurzarbeit, die es auch bei KGM und später bei Venturetec gab, sei kein Thema mehr.

Im Gegenteil: Es wurden sieben Mitarbeiter in der Produktion eingestellt. Derzeit sind wieder rund 150 Mitarbeiter bei Venturetec beschäftigt. «Vor einigen Monaten haben wir noch so viel Umsatz gemacht, wie wir heute für das Rohmaterial aufwenden», sagt Dollhofer, der aber nicht verhehlt, dass der Betrieb weiterhin in einem harten Sanierungsprozess steckt, in dem auch die Strukturen für die Auftragsfülle erst nach und nach geschaffen werden müssen.

Ihren Weg der Ausweitung des Geschäftsgebietes und des Kundenkreises möchte die neue Unternehmensleitung aber konsequent fortführen. Kern der neuen Strategie ist die Ausrichtung auf den Bau von mechatronischen Gesamtsystemen, also ganzen Baugruppen. Damit soll sich das Lieferspektrum von Venturetec Mechatronics vom reinen Lieferanten von sogenannten Kundenzeichnungsteilen wie Gehäusen und komplexen Einzelteilen zu eigenen Entwicklungsaufträgen, beispielsweise für die Medizintechnik, erweitern.

Ein Beispiel dafür ist auch eine Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut, der Uniklinik Ulm und Venturetec Mechatronics zur Entwicklung eines Systems zur Therapie von Schleudertraumapatienten. Ein weiteres beispielhaftes Projekt ist eine geplante Zusammenarbeit mit einem privaten israelischen Unternehmen.

Venturetec möchte ein dort entwickeltes ABC-Filter-System zum Schutz von Soldaten vor Kampfstoffen für den deutschen Markt in Lizenz fertigen. Großes Potenzial sieht Dollhofer auch in der Entwicklung und im Bau von sogenannten stabilisierten Plattformen, die etwa bei mobilen optischen Sichtsystemen und Radaranlagen Bewegungen und Vibrationen ausgleichen.

Das Alltagsgeschäft solle angesichts dieser Auftragsperspektiven aber nicht vergessen werden, so Martina Mösche, die nur mit ausreichend Umsatz den notwendigen Gestaltungsspielraum sieht: «Es muss genügend Arbeit da sein, dann kann man auch kreativ in die Zukunft gehen.»

Trotz der internationalen Ausrichtung des Unternehmens scheint die Geschäftsführung am Standort Kaufbeuren zu hängen. «Wir haben immer gesagt: Hier sind unsere Mitarbeiter, hier bleiben wir», so Martina Mösche. Dennoch gibt es grobe Pläne für einen Umzug an den Kaufbeurer Stadtrand, in den Gewerbepark.

Der über Jahrzehnte gewachsene Standort in der Füssener Straße sei nicht mehr zeitgemäß, erschwere den Material- und Produktionsfluss immens. «Auf Dauer ist ein maßgeschneiderter Neubau günstiger als das jetzt», sagt Dollhofer, der bei der Lösungssuche vor allem die Hilfe der Stadt und der örtlichen Sparkasse lobt. Möglich sei ein Baubeginn im kommenden Jahr, ein Umzug Ende 2012.

                                Bericht: Allgäuer Zeitung- Alexander Vucko  vom 16.07.10